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Keine Geschenke, keine zinslosen Darlehen
Jack Bernstein, der als amerikanischer Aschkenasim einige Jahre in Israel lebte: "Versuchen Sie einmal einem ansässigen Juden eine Bibel zu geben, und sie werden sehen, wieviel Religion und religiöse Freiheit es in Israel gibt. Falls Sie von der Polizei gesehen werden, werden Sie verhaftet." Die Gesetze seien streng in Israel, schreibt Bernstein. "Einem Christen ist es erlaubt, das Evangelium in einem Kirchengebäude zu predigen, aber für den Geistlichen oder jeden, der gar außerhalb des Kirchengebäudes jemandem etwas über die Lehren der Bibel erzählt, wird dies eine Gefängnisstrafe von fünf Jahren einbringen. Einem Christen, der einem Juden eine Bibel oder einen anderen religiösen Artikel gibt, wird dies ebenso eine Strafe von fünf Jahren einbringen. Sogar eine Gefälligkeitshandlung eines Christen gegenüber einem Juden, wie das Überreichen einer Gabe Nahrungsmittel, kann als Versuch ausgelegt werden, den Juden zum Christentum zu bekehren, und kann ihm eine Gefängnisstrafe von fünf Jahren einbringen."
Der jüdische Professor Schahak schreibt ebenfalls, der Talmud verbiete es dem Juden, einem Nichtjuden Geschenke zu machen. Er dürfe aber einer nichtjüdischen Bekanntschaft ein Geschenk machen, wenn dieses nicht als wirkliche Gabe, sondern als eine Art Investition betrachtet werde, für welche man eine gewisse Gegenleistung erwarte. Geschenke an nichtfamiliäre Nichtjuden bleiben verboten. Es sei laut Talmud auch verboten, einem Nichtjuden ein zinsloses Darlehen zu geben. Rabbinische Autoritäten - Maimonides eingeschlossen - betrachteten es als zwingend, soviel Wucher wie möglich auf einer Leihgabe zu erheben. Finde ein Jude etwas, das vermutlich ein anderer Jude verloren habe, sei es seine Pflicht, seinen Fund öffentlich bekannt zu machen, um ihn so möglichst dem Eigentümer zurückgeben zu können. Finde ein Jude jedoch Eigentum eines Nichtjuden, dann verbiete es ihm der Talmud, dieses seinem Eigentümer zurückzugeben.
Es gelte, zitiert Schahak den Talmud, als schwere Sünde, im Geschäftsleben einen anderen Juden zu täuschen. Gegenüber einem Nichtjuden sei es lediglich verboten, direkte Täuschung zu begehen. Indirekte Irreführung sei gestattet, solange aus ihr keine Feindseligkeit entstehe. Ein Beispiel dafür: Ein Nichtjude zählt die Posten einer Rechnung falsch zusammen. Der Jude soll ihn nicht darauf hinweisen, wenn sich der Rechnungsfehler zu seinen Gunsten auswirkt, sondern - um späterer Feindseligkeit vorzubeugen - sagen: Ich verlasse mich auf Ihre Rechnung'.
Gewaltloser Diebstahl sei absolut verboten, wie es im Schulchan Aruch heiße, selbst wenn es einen Nichtjuden betrifft'. Raub mit Gewaltanwendung sei strikte verboten, wenn es um Juden gehe. Raub an einem Nichtjuden durch einen Juden sei nicht geradewegs verboten, sondern nur unter bestimmten Umständen, wie ,wenn der Nichtjude nicht unter unserer Herrschaft steht', doch sei Raub erlaubt, wenn sich der Nichtjude unter jüdischer Herrschaft befinde. Dies möge erklären, erläutert der jüdische Professor, weshalb so wenige Rabbiner gegen den Raub palästinensischen Eigentums in Israel protestieren.
Nach Berichten der israelischen Menschenrechtsorganisation B'Tselem sind die Gebiete, die rings um Jerusalem 1967 im Sechstagekrieg von Israel erobert und annektiert wurden, großteils arabischer Privatbesitz, auf dem bis zu 38'500 Wohnungen für die israelische Bevölkerung gebaut wurden und keine einzige für Palästinenser.

Es ist den gläubigen Juden durch den Talmud nicht nur verboten, einem Nichtjuden Geschenke zu machen, nein, er soll einen Nichtjuden auch keinesfalls loben. Das Book of Education, von einem Rabbi im frühen 14. Jahrhundert in Spanien verfaßt, erklärt 613 religiöse Verpflichtungen (initzvot) des Judaismus. Schahak zitiert daraus einige, für die hier kein Platz ist. Es sei hier von den vielen nur ein Paragraph genannt, § 262. Dieser besagt laut Prof. Israel Schahak, daß Juden sich nicht nur von Nichtjuden entfernen' sollen, sondern auch ,schlecht über ihr Benehmen sprechen, selbst über ihre Kleidung.' Schahak: "Es muß betont werden, daß all diese Erläuterungen genau die Lehren der Halakhah wiedergeben. Die Rabbis und, schlimmer noch, die entschuldigenden Schüler des Judaismus' wissen dies sehr gut und versuchen daher nicht, solche Sichtweisen innerhalb der jüdischen Gemeinde zu bestreiten. Statt dessen verleumden sie jeden Juden, der über diese Tatsachen in Hörweite eines Nichtjuden spricht, und sie äußern irreführende Dementi dazu, in welchen die Kunst der Mehrdeutigkeit ihren Gipfel erreicht. Zum Beispiel weisen sie, meist in allgemeinen Begriffen, auf die Wichtigkeit hin, welche Barmherzigkeit im Judaismus innehat, doch worauf hinzuweisen sie vergessen, ist, daß gemäß der Halakhah Barmherzigkeit' nur Barmherzigkeit gegenüber Juden' bedeutet."
Schahak fährt fort: "Jedermann, der in Israel lebt, weiß, wie tief und weitverbreitet diese Attitüde des Haßes und der Grausamkeit gegenüber allen Nichtjuden unter der Mehrheit der israelischen Juden ist. (...) In den vergangenen Jahren sind die unmenschlichen Grundsätze, nach denen Knechtschaft das natürliche' Los der Nichtjuden ist, öffentlich in Israel zitiert worden; sogar im Fernsehen, und zwar von jüdischen Bauern, die arabische Arbeit, und speziell Kinderarbeit, ausnutzen. Gush-Emunim-Führer haben religiöse Grundsätze zitiert, welche Juden befehlen, Nichtjuden zu unterdrücken. Sie nahmen diese Grundsätze als eine Rechtfertigung für die versuchte Ermordung palästinensischer Bürgermeister, und als göttliche Vollmacht für ihren eigenen Plan, alle Araber aus Palästina auszuweisen."
Professor Schahak bringt ein Beispiel dafür, daß dieses Verbot des Lobens eines Nichtjudens in den Köpfen israelischer Juden durchaus präsent ist: Als der jüdische Schriftsteller Agnon den Nobelpreis erhalten hatte, wurde er vom israelischen Rundfunk interviewt. Im Verlaufe dessen lobte er das Nobelpreiskomitee - und fügte rasch an: "Ich vergesse nicht, daß es verboten ist, Nichtjuden zu loben, doch es gibt hier einen speziellen Grund für mein Lob" - die Tatsache nämlich, daß das Nobelpreiskomitee einen Juden geehrt hatte. Lob eines Nichtjuden ist nämlich ausnahmsweise erlaubt, wenn dieses Lob noch größeres Lob eines Juden mit einschließt.
Als Time-Korrespondentin Lisa Beyer Israels Premier Benjamin Netanyahu im Oktober 1996 interviewte, meinte sie zu ihm: "Arafat kann sehr charmant sein." Netanyahu: "Sicher. Doch ich würde nicht zu viel aus dem Persönlichen zwischen uns machen." Time: "Ich hätte sie gern dazu gebracht, zu sagen, daß Arafat ein netter Typ ist." Netanyahus Anwort darauf: "Wenn sie erst ihn dazu bringen, das über mich zu sagen, werde ich es auch über ihn sagen." Ob Netanyahus Weigerung, Arafat zu loben, auch etwas mit jenem Talmud-Paragraphen zu tun hat?

Rassismus und Apartheid im Heiligen Land'
Jack Bernstein hat Israel in eigener Erfahrung als rassistisches Land' erlebt: "Eines Tages betrat ich ein Café in Tel Aviv. Die Stätte war übervoll, und ich setzte mich auf dem einzigen zur Verfügung stehenden Stuhl nieder. An diesem Tisch saßen auch gerade fünf sephardische Juden aus Marokko. Sie erfuhren, daß ich im Begriff war, die hebräische Sprache zu lernen, also halfen sie mir bei meinem Studium, als ein blauäugiger Nazityp von israelischem Polizeioffizier in das Café hereinkam. Er befahl mir: "Gehen Sie von jenen Kooshim weg!" Kooshim bedeutet auf hebräisch Neger'. Ich antwortete: "Wenn ich mit Essen fertig bin." Der Offizier zog seinen Dienstrevolver und sagte: "Sie brechen jetzt auf!" - "Sie tun besser daran, auf ihn zu hören", riet mir der Cafébesitzer. Also stand ich auf. Während er nahe bei mir stand, zeigte der Offizier mit seiner Waffe direkt auf mein Gesicht und befahl: "Werfen Sie ihren Kaffee und das Gebäck auf den Fußboden!" Mit einer Schußwaffe auf mich gerichtet, diskutierte ich nicht; ich warf den Kaffee und das Gebäck auf den Fußboden. Dann sagte er: "Gehen Sie hier hinaus und kommen Sie nicht zurück!" Später erfuhr ich, daß ich Glück hatte. Er hätte mich einsperren können", schreibt Bernstein, "und er hätte sogar aufgrund der unklaren israelischen Gesetze auf mich schießen können."
Diese Handlung spielte sich, wohlverstanden, unter Juden ab. Was indes die Nichtjuden, sprich die moslemischen und christlichen Palästinenser in Palästina erleben, vergleichen sie offen mit der ehemaligen Apartheid Südafrikas. "In diesem Land gibt es nur Checkpoints, Waffen und Helikopter", kommentiert der 32jährige Soziologe Chaled Abu Diab. Am Toten Meer gibt es einen einzigen Strand, an den die Palästinenser des Westjordanlands kommen dürfen. Im Gegensatz zu den Badeorten für Israelis und Touristen gibt es dort nicht eine einzige Dusche. Chaled: "Das nenne ich Apartheid." Er fühlt sich wie in einem Gefängnis. "Stellen Sie sich vor, ich wohne in Jerusalem und darf meine Familie in Nablus nicht besuchen; oder Dorfbewohner am Rand von Jerusalem dürfen nicht in das 15 Kilometer entfernte Ramallah ohne eine spezielle Erlaubnis, die in der Regel verweigert wird."
Sumayat Farhat-Naser, eine christliche Palästinenserin, die 1989 mit der Ehrendoktorwürde der Universität Münster geehrt wurde, berichtet in ihrem Buch Thymian und Steine: "Militärverordnungen kontrollieren jeden Aspekt des täglichen Lebens. Mittlerweile - Ende 1994 sind sie auf die stattliche Anzahl von 1'414 für das Westjordanland und 1'100 für Gasa angewachsen. (...) Die Verordnungen verbieten u.a. den Bau von Landwirtschaftswegen, die uns leichteren Zugang zu unseren Feldern ermöglicht hätten, mit der Begründung, es gebe keine umfassenden Erschließungspläne der Region. Gleichzeitig bauen die Israelis aber ein Straßennetz zu ihren Siedlungen durch unser Gebiet. Sie verbieten uns die Ausfuhr von Oliven und erlauben die Einfuhr von Olivenöl aus dem Ausland. Damit trafen sie den Lebensnerv unserer Landwirtschaft und haben viele Bauern in den Ruin getrieben. Sie verbieten die Installation von Straßenampeln, den Aufenthalt in Jerusalem und Israel bei Nacht.
Es gibt Verordnungen, die festlegen, wann und wie auf Menschen geschossen werden darf; so wurden während der Besatzung insgesamt 254 Menschen erschossen, weil sie die palästinensische Fahne trugen. Für jede Gartenpflanzung von mehr als zehn Pflanzen muß eine Genehmigung eingeholt werden. Besonders unsinnig ist die Verordnung, die den Thymian betrifft: Die Behörden stellen den Thymian unter Naturschutz und belegen ihn mit einem Pflückverbot. Dabei ist diese Pflanze in den Hügeln des Westjordanlandes weit verbreitet und keineswegs vom Aussterben bedroht. (...) Zu den Militärverordnungen gehören auch Zensurmaßnahmen. Es gibt eine Liste mit mehreren hundert verbotenen Büchern und Zeitschriften, die laufend ergänzt wird. Sie nicht zu beachten, kann bei einer der üblichen Hausdurchsuchungen üble Folgen haben. Viele Studierende und Dozenten wurden verhaftet, nachdem bei ihnen verbotene Literatur gefunden worden war. (...) Selbstverständlich sind die bei uns verbotenen Bücher und Zeitschriften in Israel erlaubt und liegen möglicherweise zum Kauf aus. Mit den tausend Schikanen ( ... ) verfolgen die israelischen Behörden unausgesprochen zwei Ziele: Sie wollten die wirtschaftliche Entwicklung behindern und die Menschen, insbesondere die Intellektuellen, derart zermürben, daß sie auswandern."
Der radikale Rabbiner Benni Elon tritt dafür ein, daß alle Araber freiwillig ihr Heimatland, das Westjordanland verlassen sollten. "... wenn ich Regierungschef wäre, würde ich die Araber davon zu überzeugen versuchen, daß die Gründung eines PLO-Staates nur zu einem Desaster führen kann. Ich würde ihnen vorschlagen, auf die andere Seite des Jordans zu wechseln." Das so frei werdende Land, sagt Elon im Spiegel-Interview, "müssen wir mit Millionen Juden besiedeln, die noch aus der Diaspora nach Israel einwandern müssen."
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